Der Elsabrunnen am Fischmarkt ist ein guter Ort, um die Klever Schwanengeschichte in einer anderen Form kennenzulernen als an der Burg. Offiziell wird das Werk als Lohengrinbrunnen bezeichnet. Die beiden Namen können in Beschreibungen nebeneinander auftauchen und meinen denselben Ort. Für einen Besuch ist weniger wichtig, möglichst schnell die ganze Sage nachzuerzählen, als zunächst zu erkennen, wie eine Handlung in unbewegten Figuren dargestellt wird.

Eine Szene zuerst ansehen

Gehen Sie, soweit der öffentliche Raum es zulässt, um den Brunnen herum. Welche Figur scheint sich einer anderen zuzuwenden, und welche Bewegung wird durch Boot oder Schwan angedeutet? Suchen Sie nach Blickrichtungen und Abständen. Eine Geschichte in Bronze muss einen Moment auswählen, während eine mündliche Erzählung nacheinander viele Ereignisse schildern kann.

Lesen Sie anschließend die offizielle Erklärung. Sie nennt Karl-Henning Seemann als Künstler und verbindet die Szene mit der verbotenen Frage nach der Herkunft des Schwanenritters. Nach dieser Frage verlässt der Ritter die Frau mit dem Schwan im Boot. Das Wissen um die Handlung kann einzelne Gesten verständlicher machen, ersetzt aber nicht die eigene Betrachtung.

Sage und Stadtgeschichte unterscheiden

Die Schwanenrittersage gehört zur kulturellen Identität Kleves. Sie ist dennoch keine verlässliche Chronik eines nachgewiesenen Ereignisses. Auch unterschiedliche Namen und Erzählfassungen sind kein Anlass, vor Ort eine eindeutige historische Biografie zu konstruieren. Beim Besuch mit Kindern lässt sich das einfach erklären: Eine Stadt kann eine Geschichte immer wieder erzählen und darstellen, ohne dass alles darin tatsächlich geschehen sein muss.

Eine passende Aufgabe ist, zuerst anhand der Figuren eine mögliche Handlung zu beschreiben und sie danach mit der Erläuterung zu vergleichen. Dabei können mehrere Beobachtungen sinnvoll sein. Vermeiden Sie ein Ratespiel, bei dem nur ein einzelnes Detail als richtige Antwort zählt. Interessant ist gerade, wie ein Künstler Beziehungen und Abschied sichtbar macht.

Kunst steht hier mitten im Alltag

Der Brunnen liegt im Innenstadtbereich und ist zugleich ein Orientierungspunkt. Planen Sie den Halt so, dass Passanten und benachbarte Nutzungen nicht blockiert werden. Für ein Foto hilft es, auf eine ruhige Lücke zu warten, statt andere Menschen aus dem Bild zu drängen. Ob Wasser fließt, verändert die Atmosphäre, aber nicht die Möglichkeit, das Figurenensemble zu betrachten.

Wer anschließend die Schwanenburg sieht, kann die beiden Formen des Schwanenmotivs vergleichen: einmal als erzählende Szene, einmal als Zeichen eines Gebäudes und der Stadt. Dazu braucht es keinen langen Themenrundgang. Schon dieser kleine Zusammenhang macht aus einem Brunnenstopp mehr als einen beliebigen Fotopunkt.