Beim Museum Kurhaus Kleve beginnt die Betrachtung schon vor dem ersten Kunstwerk. Der langgestreckte Bau entstand nicht als neutrales Ausstellungshaus, sondern aus der Klever Kurgeschichte. Seine unterschiedlichen Gebäudeteile und späteren Nutzungen erklären, warum ein Rundgang mehr sein kann als eine Folge von Bildern an Wänden. Wer Architektur und Sammlung gemeinsam betrachtet, findet auch bei einer begrenzten Besuchszeit einen klaren Schwerpunkt.

Den Bau von außen ordnen

Die Museumsgeschichte unterscheidet Bauphasen von 1845/46 und 1872/73. Das ehemalige Badhotel, die mittleren Hallen und das Friedrich-Wilhelm-Bad bilden die wesentlichen Teile des Ensembles. Schauen Sie vor dem Eintritt auf Übergänge, Fensterfolgen und die Beziehung zum Garten. Versuchen Sie, die verschiedenen Teile als zusammenhängenden Bau zu lesen, ohne ihnen schon eine bestimmte heutige Ausstellungsfunktion zuzuordnen.

Ein Foto der Außenansicht kann später als Gedächtnisstütze dienen: Wo im langgestreckten Gebäude haben Sie gerade gestanden? Gerade bei umgenutzten Bauten lässt sich die Raumfolge leichter verstehen, wenn man ihren äußeren Umriss kennt. Dabei geht es nicht darum, einen Grundriss auswendig zu lernen. Interessant ist der Unterschied zwischen einem Raum, der zum Durchgehen einlädt, und einem, in dem man sich länger aufhält.

Sammlung und aktuelle Präsentation unterscheiden

Der Namenszusatz „Ewald Mataré-Sammlung“ hat einen konkreten Hintergrund. Ein großer Teil seines künstlerischen Nachlasses kam 1988 nach Kleve und trug zur Museumsgründung bei; das Museum eröffnete 1997. Das hauseigene Bestandsverzeichnis zeigt, wie breit dieses Material ist: Neben Skulpturen gehören unter anderem grafische Arbeiten, Entwürfe und Archivalien dazu.

Ein Eintrag in der Online-Sammlung bedeutet allerdings nicht, dass das betreffende Objekt am Besuchstag im Saal steht. Prüfen Sie vorab die aktuellen Ausstellungen, wenn Sie wegen eines bestimmten Werks anreisen. Für einen offenen Besuch genügt eine Frage, die Sie durch die Räume begleitet: Wie wird aus einer beobachteten Tierform eine vereinfachte künstlerische Gestalt? Oder wie verändert das Material die Wirkung eines ähnlichen Motivs?

Wählen Sie im Museum zwei Werke, die sich vergleichen lassen, statt möglichst viele Namen abzuhaken. Sehen Sie zuerst ohne lange Lektüre hin, lesen Sie dann Titel und Erläuterung und prüfen Sie, was sich an Ihrer Wahrnehmung ändert. Eine kurze Notiz zu Form, Oberfläche oder Maßstab hält oft mehr fest als eine große Zahl unkommentierter Fotos.

Das Atelier als anderer Raumtyp

Zur Geschichte des Hauses gehört das rekonstruierte Atelier von Joseph Beuys im Friedrich-Wilhelm-Bad. Ein Atelier wirft andere Fragen auf als ein Ausstellungssaal: Wie wird Arbeit räumlich organisiert, was ist Werkzeug, was Werk, und was erzählt die spätere Rekonstruktion? Prüfen Sie anhand der Erläuterungen, welche Zeitschicht Sie sehen. „Rekonstruiert“ und „unverändert erhalten“ sind unterschiedliche Aussagen.

Wenn Sie mit Kindern kommen, kann ein Vergleich zwischen einem Arbeitsraum und einem Präsentationsraum den Besuch greifbar machen. Lassen Sie zunächst beschreiben, was auffällt, bevor Sie eine Erklärung vorgeben. Das setzt weder eine Führung noch Vorwissen voraus, wohl aber Rücksicht auf andere und die jeweiligen Abstandsregeln.

Mit einer bewussten Pause abschließen

Planen Sie nicht jede mögliche Ausstellung als Pflichtteil ein. Sobald die Aufmerksamkeit nachlässt, hilft eine Pause mehr als ein beschleunigter Gang durch weitere Räume. Erkundigen Sie sich bei Bedarf vor dem Eintritt nach Garderobe, Sitzmöglichkeiten und der passenden Wegeführung. Anschließend kann der Blick zurück auf die Fassade zeigen, wie eng hier Kunstbetrachtung und Baugeschichte miteinander verbunden sind.