Wie steht es um Ihre Motivation? Brennen Sie?

Die Kreis-Wirtschaftsförderung setzte die Gründerland-Initiative in Kevelaer fort. DEHOGA warb für den „Funken der Begeisterung“

Kreis Kleve – Kevelaer – „Junge Leute wollen sich nicht mit Papierkram aufhalten, Gesetze studieren und Auflagen prüfen. Wenn es unser Ziel ist, dass der Funke der Begeisterung überspringt, dann sollten wir den Gründerinnen und Gründern die Freiheiten näherbringen, die unsere Arbeit in der Gastronomie und Hotellerie bieten kann. Die Arbeit mit den Gästen ist schön, und für die Balance zwischen Arbeit und Leben, die Work-Life-Balance, ist Gelegenheit genug.“

Es war ein unüberhörbares Plädoyer und eine überzeugende Werbung für die Berufe der Gastlichkeit, die Han Groot Obbink als Vorsitzender des DEHOGA Nordrhein Kreisgruppe Kleve beschrieb. Sein unverkennbar niederländisches Deutsch, seine offene und direkte Art und sein Bestreben, den Finger in manche Wunde zu legen, dies alles gefiel den etwa 60 Interessierten. „Wer zuhause seinen Gästen Gutes tun kann, der ist für die Gastronomie geeignet“, so der Wunderland-Geschäftsführer, der in Kalkar jährlich 120.000 Übernachtungen verbucht.

Gerne am Gast: Gastronomie und Hotellerie sucht begeisterte junge Gründer und Nachfolger“, war die Abendveranstaltung im Konzert- und Bühnenhaus überschrieben, die einmal mehr von den Sparkassen und Volksbanken der Region unterstützt wurde. Und dass sich die Wirtschaftsförderung Kreis Kleve die Wallfahrtsstadt Kevelaer als Start in die „zweite Halbzeit“ ihrer Gründer-Initiative „Gründerland Kreis Kleve – Ideen finden ihr Zuhause“ ausgewählt hatte, lag insbesondere an den erkennbaren Nachfolge-Problemen in den gastlichen Häusern des Standortes. Und dies, obschon Hans-Josef Bruns als Wirtschaftsförderer der Wallfahrtsstadt Kevelaer einer tagesaktuellen Umfrage nach mit 90 Prozent höchste Zufriedenheitswerte für die Gastronomie am Ort nachwies.

So verwunderte es wenig, dass Bürgermeister Dr. Dominik Pichler, selbst einmal Gründer einer Rechtsanwaltskanzlei, sich darüber freute, „diese Veranstaltung in Kevelaer zu haben“. Der erste Bürger ließ keinen Zweifel daran, dass ihn die „Karriere“ des Lokals „Herr Lehmann“ beeindruckt und er den Gründern Michael Schmidt und Marc Moors dafür Respekt zollt.

Annette Strähnz, die Hoteldirektorin des Rilano Hotels Cleve City und baldige Chefin auch im 78-Betten-Haus Rilano Kevelaer, stellte am Abend die Motive für den Hotel-Neubau heraus: „Pilger, Radtouristen, Geschäftsreisende – da macht unser Haus zweifelsfrei Sinn“, unterstrich die Weitgereiste, die in der Welt viel gesehen habe und ihrer heimatlichen Region manches zurückgeben wolle. „Hier sehen wir viel Zukunftspotential“, sagte sie und versprach, dass man im fertiggestellten Rilano dann auch „viel Kevelaer sehen wird“.

José Macias, der Moderator dieses Abends mit der Kreis-Wirtschaftsförderung, ist seit langem vielgefragter Journalist und Moderator mit Sitz in der Landeshauptstadt Düsseldorf. Er nannte die anwesenden Referenten „authentisch“, lobte die motivierende Auswahl der Beiträge und wünschte sich, dass auch erfolgversprechende Gründer unter den Anwesenden seien. Wie beispielsweise Guido Thelen, für den sich mit seiner Idee die „Kaffeerösterei Kaffeehimmel“ geöffnet hat. Oder Michael Große Holtforth, der in die Rolle des Nachfolgers schlüpfte und von seinem Vater das bekannte Landhaus Beckmann in Kalkar-Kehrum übernahm.

Hier haben wir vieles konzeptionell wie baulich verändert“, sagte er zufrieden. Und er bestätigte Dr. Peter Christoph Slawek, der sein Beratungsunternehmen Kaiser & Partner gründete, um kleinen und mittelständischen Hotels unter die Arme zu greifen.

Der Vater von vier Kindern und einstige Lehrer stützte sich in seinem Auftritt auf die Themen Lage, Sichtbarkeit und Marktauftritt im Internet und lieferte schlussendlich den überzeugenden Nachweis für seine Praxisnähe, indem er die Verdoppelung der Übernachtungen auf Schloss Wissen in Weeze auch als Ergebnis seiner dortigen Tätigkeit als Hoteldirektor empfand.

Bleibt nach so vielen Anregungen die Frage danach, ob einige Anwesende wirklich den Sprung ins kalte Wasser der Selbstständigkeit wagen werden. Kreis-Wirtschaftsförderer Hans-Josef Kuypers nannte die Geschäftsidee, die Markteinschätzung, die Wettbewerbssituation, die Standortwahl und den Blick auf künftige Aussichten als mitentscheidende Faktoren. „Zuletzt allerdings“, so Kuypers, „ist zu fragen: Wie steht es um Ihre Motivation? Brennen Sie? Kommt diese Idee zur Gründung vor Ihrem Sport, vor jedem Hobby? Vor Ihrem freien Wochenende?“

Bei Small-Talk und Imbiss klang der Abend im Konzert- und Bühnenhaus aus. Und manch einer wird mit ausgeprägter Nachdenklichkeit den Heimweg angetreten haben.

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