Reeser pilgern zum 375. Mal nach Kevelaer

Weihbischof Rolf Lohmann lobte im Pontifikalamt die Wallfahrer

Kevelaer/Rees (pbm/cb). Wenn es um die jährliche Wallfahrt nach Kevelaer geht, können selbst Kriege und Seuchen die Bewohner der Stadt Rees nicht aufhalten. Seit 1643 pilgern sie jährlich in den Marienwallfahrtsort. Am vergangenen Wochenende war es zum 375. Mal so weit: Rund 80 Reeser brachen am frühen Morgen des 26. August zu Fuß in das 30 Kilometer entfernte Kevelaer auf. Ziel: Das Gnadenbild der „Consolatrix afflictorum“, also der „Trösterin der Betrübten“, als die Maria in Kevelaer verehrt wird. In der Basilika wurden sie vom Wallfahrtsrektor Gregor Kauling begrüßt, außerdem sprachen der Reeser Bürgermeister Christoph Gerwers und die stellvertretende Bürgermeisterin von Kevelaer, Brigitte Middeldorf, Grußworte. Während einer Andacht wurde die große Pilgerkerze geweiht, die traditionell in der Mitte der Kerzenkapelle aufgestellt wird und an diesem besonderen Platz an die lange Tradition der Wallfahrt von Rees nach Kevelaer erinnert.

Am 26. August nahmen die Fußpilger der Pfarrgemeinde St. Irmgardis dann zusammen mit anderen Wallfahrern – darunter weitere Reeser Gruppen, die mit dem Rad angereist waren – an einem feierlichen Gottesdienst mit Weihbischof Rolf Lohmann teil. Der Bischof lobte die Pilger von der anderen Rheinseite für ihr Jahrhunderte währendes Engagement: „Sie halten die Botschaft Jesu hoch“ – und damit christliche Werte, die heutzutage viel zu oft in den Hintergrund geraten, wie Lohmann sagte.

Der Weihbischof erinnerte in der Marienbasilika an den Brückeneinsturz in Genua, die Flutkatastrophe in Indien und den schweren Waldbrand in Brandenburg – Notsituationen, in denen die christliche Nächstenliebe gefragt sei. Und er prangerte die Missbrauchsfälle durch Geistliche im US-Bundesstaat Pennsylvania an sowie die Versuche, diese zu vertuschen. „Das wirft einen Schatten auf die Kirche“, betonte Lohmann. Besorgt äußerte sich der Weihbischof auch über den erstarkenden Nationalismus in Europa: „Es gibt Menschen, die wollen Andere ausgrenzen und genau definieren, was richtig und was falsch ist, ohne auf den Einzelnen zu schauen. Das ist nicht katholisch.“

Ein Zeichen im Sinne Christi setzten dagegen die Reeser Pilger: „Suche Frieden“ lautete das Thema ihrer diesjährigen Wallfahrt – damit gingen sie aktiv voran in Zeiten, in denen viel zu oft in der Vergangenheit verharrt und historisiert werde, so der Weihbischof. „Die Botschaft von Trost und Frieden in die Gegenwart zu übertragen, ist unsere Aufgabe.“

Trotz der anstrengenden Fuß-Wallfahrt gingen die Pilger erbaut aus dem Pontifikalamt. „Die Atmosphäre auf der Wallfahrt und die Gemeinschaft sind immer ganz besonders“, sagte der Reeser Johannes Schloßmacher, der von der Predigt des Weihbischofs und den Chor-Beiträgen – die von einem Reeser Projektchor mitgestaltet wurden – begeistert war.

Nach dem Gottesdienst und dem gemeinsamen Gang zum Gnadenbild führten die Fußpilger noch ein entspanntes Gespräch mit dem Weihbischof, der Kevelaer aus seiner Zeit als Wallfahrtsrektor bestens kennt. Danach traten sie den 30 Kilometer langen Heimweg an – bis zum nächsten Jahr, wenn die 376. Reeser Marienwallfahrt nach Kevelaer ansteht.

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