Blaue Schafe werben in Kevelaer für Toleranz und Miteinander

Vierte Interreligiöse Friedenswallfahrt mit Juden, Muslimen und Christen

Kevelaer (pbm/cb). In Kevelaer sind es die Menschen gewohnt, dass immer wieder Pilgergruppen über die Hauptstraße zur Basilika ziehen. Nur selten aber ziehen diese Gruppen so viel Aufmerksamkeit auf sich, wie die Teilnehmer der vierten Interreligiösen Friedenswallfahrt am Abend des 28. August. Denn viele der Pilger trugen eines von zahlreichen blauen Plastikschafen auf dem Arm oder auf der Schulter.

Die blauen Schafe des Künstlers Rainer Bonk aus Rheinberg haben schon an vielen bedeutenden Orten in Europa gestanden. „Jenseits aller ethnologischen, religiösen oder kulturellen Unterschiede und mit ihrem ganz speziellen Charme möchten die Blauschafe Denkanstöße geben, auf das Verbindende hinweisen und für friedliches Miteinander und Toleranz werben, auf der Basis von Wertschätzung des Anderen“, heißt es auf der Homepage des Künstlers, der zur Friedenswallfahrt nach Kevelaer gekommen war. Mit ihrem Werben für Miteinander und Toleranz wurden die blauen Schafe in diesem Jahr zum Symbol der Friedenswallfahrt.

Diese stand unter dem Motto „Hab keine Angst – Suche Frieden“. Dennoch mussten die Vertreter der verschiedenen Religionen und Konfessionen im Gespräch mit der Moderatorin Angela Krumpen zugeben, dass sich in den vergangenen Jahren das Gefühl der Angst verstärkt habe. Insbesondere die Angst vor einer Spaltung der Gesellschaft durch Hass und Gewalt beschäftigte alle Religionsvertreter. Aber, so sagte Michael Rubinstein, Geschäftsführer des Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein: „Ich lasse mich von der Angst nicht beeindrucken und das, was wir gemeinsam erreicht haben, nicht kaputt machen.“

Vom Marienpark, wo die Schafe zuerst aufgestellt wurden, ging die Wallfahrt weiter zur Basilika, wo die Pilger vom Familienchor der Basilikamusik unter Leitung von Romano Giefer empfangen wurden. Dort hatten alle Vertreter der Religionen die Gelegenheit, einen kurzen Beitrag zu ihren Friedenswünschen zu leisten. Nach einem Gebet am Gnadenbild der Gottesmutter, wieder begleitet von den blauen Schafen, endete die Wallfahrt traditionell an der Friedensstele am Forum Pax Christi. Dort konnten die Teilnehmer Steine als Symbol für Ängste und Bedenken ablegen – und erhielten im Gegenzug ein blaues Schaf im Miniaturformat, gespendet von Rainer Bonk. Verabschiedet wurde zudem eine Friedensdeklaration. Sie wendet sich klar gegen Opportunismus, Populismus und Diskriminierung. „Wir wollen Angst lindern und suchen Frieden“, heißt es dort abschließend.

Als Vertreter der unterschiedlichen Religionen und Konfessionen nahmen an der Friedenswallfahrt teil: Michael Rubinstein in Begleitung von Markus Zaja und Aaron Malinsky, vom Zentralrat der Muslime Samir Bouaissa, die evangelische Pfarrerin Karin Dembek, Pfarrer David Burau von der baptistischen Kirchengemeinde Kevelaer und der katholische Wallfahrtsrektor Gregor Kauling.

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